Zurück ins Leben mit Covid19-Virus ?

Zurück ins Leben mit Covid19-Virus ?

Während inzwischen viele Menschen schon etwas sorgloser mit dem Thema Corona und dem Covid19-Virus umgehen und die Lockerungen nach dem strengem Lockdown u.a. mit Restaurantbesuchen- auch mit Maskenpflicht- genießen und wieder ihre Urlaube planen, Friseurbesuche, wieder ihr Kosmetik-und Fitness-Studio nutzen oder bereits im Urlaub sind, gibt es nach wie vor berechtigte Zweifel und Unsicherheit, denn der Gegner ist unsichtbar, aber in ständiger Nähe.

 

Unbekümmertheit und Sorglosigkeit und wachsende Sehnsucht nach Normalität.

Auch Chef- „Zweifler”, Virologe und Mahner Prof. Drosten ( Berliner Charité), äussert seine Bedenken über die Entwicklung des Covid19-Virus in seinem Podcast und befürchtet  eine zweite Infektionswelle. Vielleicht auch deshalb, weil die allgemeine Unbekümmertheit und Sorglosigkeit wächst, gerade wegen sommerlicher Temperaturen, Urlaubsfeeling und auch wegen der wachsenden Sehnsucht nach Normalität.

Auch Karl Lauterbach,Mediziner und Gesundheitswissenschaftler (SPD), aber auch Gesundheitsminister Jens Spahn warnt vor zu heftigen Lockerungen, spricht sich bislang für die Maskenpflicht aus, während einige Bundesländer, z.B.Mecklenburg-Vorpommern die Maskenpflicht im Einzelhandel bald abschaffen wollen und damit den Konsum anheizen möchten.

 

Andererseits ruft der Experte Drosten aber auch dazu auf, den Sommer zu genießen, da er im kommenden Herbst-Winter nicht ausschliessen kann, dass der wieder aufflammende Covid19-Virus neue  Beschränkungen hervorruft. Social Distancing soll neben der Corona-Warnapp Infektionen im Keim ersticken und es dann vielleicht nicht zur zweiten Infektionswelle kommen lassen.

 

Telefonische Therapieanfragen in Coronazeiten.

Menschen mit Suchtproblemen aller Art meldeten sich häufig im Laufe der vergangenen Monate im Lockdown telefonisch in meiner Praxis. Das waren zum Beispiel Männer, die unter einer Pornosucht litten und ständig online sein mussten. Oder passionierte Bordell- oder Straßenstrichbesucher. Auch hier hatte die Corona-Krise und der Covid19-Virus für verschlossene Türen und Suchtleerlauf gesorgt.

 

Porno Literatur

Oder ein junger Ehemann suchte Kontakt mit mir, der sich knapp vor Corona, unmittelbar nach seiner Hochzeit, bei einem geschäftlichen Aufenthalt in Shanghai verliebte und alle Zelte seiner langjährigen Beziehung für die Neue aufgeben wollte. Alleine Corona kam ihm nun dazwischen und schuf „Bedenkzeit“ und nach einigen Telefonaten und Therapieterminen war klar, es gab nur das eine reale Leben, nämlich hier und jetzt mit der zuverlässigen, langjährigen Partnerin. Andere Paare und Familien wurden durch die Isolation total aus der Beziehung gekippt und trennten sich auch in Corona-Krisenzeiten. Vielfach war Gewalt im Spiel und oft Alkohol.

 

Nicht nur emotionale, sondern auch existentiellen Nöten durch die Corona-Krise waren Telefon- Themen in den Lockdown- Zeiten. Menschen standen plötzlich vor dem wirtschaftlichen Nichts  oder mussten in Kurzarbeit und mit begrenzten Mitteln klar kommen, vielleicht dazu noch ein zu pflegendes oder betreuendes Elternteil, oder ein krankes Kind. Die kostenlosen Servicezeiten für 15 -20 Minuten wurden intensiv genutzt. Stellte sich ein höherer Hilfsbedarf heraus, konnten 50 Minuten Therapie per Vorkasse terminiert werden.

 

Auch Glücks- und Spielsucht wurden zum Therapiethema.

Drogensucht

Nicht wenige Menschen leiden in Coronazeiten verstärkt unter ihren Alkoholproblemen oder anderen stofflichen Süchten.

an Flasche gekettet

Auch war bemerkenswert, dass Angst-und Panikstörungen, aber auch depressive Verstimmungen und alte reaktivierte Trauma sich durch die Zwangs-Isolation noch Mal verstärkten.

Sucht und Angst

Ab und an deutlich paranoide Reaktionen liessen mich verantwortlicherweise den Notdienst in psychiatrischen Akutkrankenhäusern der Stadt und Region miteinbeziehen. Nicht so selten wurden auch hypochondrische Symptome geklagt, also die Furcht mit Sicherheit am Covid19-Virus zu erkranken und zu sterben, was wiederum den Suchtmittel-Missbrauch verstärkte.

 

Beziehungsprobleme dagegen wurden erst in den letzten zwei Monaten, also seit ca Mai 2020 wieder vermehrt geklagt. Ich vermute bis dahin war man eine Schicksalsgemeinschaft und hielt zusammen und zog an einem Strang.

Frau und Mann beim Tauziehen, Streit, Machtkampf, Konflikt

 

Erst mit den Lockerungen wurde wieder die alte Unzufriedenheit, frühere Kränkungen und Verletzungen sichtbar und wieder fühlbar. Ausserdem war nun der Aktionsradius wieder weiter und Treuebrüche wurden nun auch wieder Thema.

 

Körperliche und emotionale Gewalt unter Partnern und/oder gegen Kinder zog sich ab Mai 2020 verstärkt – zumindest in meiner Praxis- mit beginnenden Lockerungen durch nicht wenige Therapie-Gespräche.

Die Frauenhäuser waren meist  überfüllt, Hilfszentren häufig überfordert, der Kinderschutzbund und die betreuenden freien Wohlfahrtsverbände,ebenso wie Jugendämter, oft total überlastet.

 

Über Verzweiflung, Einsamkeit und totale Überforderung klagten Alleinerziehende. Hier wurde die Bedrohung durch den Covid19-Virus zwar schnell deutlich, wurde aber häufig durch die alltägliche Problematik überlagert und war ausblendbar.

 

Aber es gab auch fantastischerweise positive Wendungen, gerade in der Corona- Krise. Und hilfreiche Kontakte gerade wegen der Distanzgebote ! Begegnungen der anderen Art, über Bildschirme und per Video wurdennun  möglich. So musizierten und kommunizierten Sänger,Talker, Musiker, Kabarettisten, Schauspieler und Chöre, alle darstellenden Berufe über digitale Medien. Aber auch alte Eltern sprachen nun per Videochat mit Kindern und Enkeln.

 

Und schliesslich waren Homeoffice und Homeschooling und die sich hierbei verändernden weiblichen oder männlichen Rollenmuster, mit ihrem entsprechenden Konfliktpotential, häufig Therapie-Gesprächsstoff. Für manchen jungen Ehemann bzw. Partner war Kinderbetreuung jedoch nicht nur ein anstrengender Lernprozeß, sondern wohl auch eine Bereicherung. Homeoffice bestätigte meist die klassischen bisherigen Rollen, je nachdem, wer zu Hause arbeiten konnte oder musste, plus für Kinderbetreuung zuständig sein sollte. Meist waren es wieder die Frauen !

 

Regional begrenzter, erneuter Lockdown wegen Corona- Hotspots. 

So manchen treibt dieser Tage durchaus die Sorge um, ob die neuen Corona-Hotspots und damit der gefährliche Covid19-Virus, die jeweiligen regionalen Grenzen überspringen und eine zweite, große Infektionswelle auslösen könnte. Bedenklich viele Neuinfizierte bereiteten in jüngster Vergangenheit ganzen Regionen und Kommunen in Bayern, Niedersachsen, Mecklenburg- Vorpommern und in NRW-Städten wie Gütersloh und Warendorf, große Probleme. Alles wurde bei letzteren bis voraussichtlich Mitte Juli oder darüber hinaus, zurück in einen erneuten regionalen Lockdown versetzt. Ein enormer Rückschlag für Menschen und Wirtschaft, die gerade mal vorsichtig anfuhr.

Auslöser waren in NRW die Schlachthöfe (Westfleisch, Westcrown und Tönnies in Rheda-Wiedenbrück..), die sich zu sich gefährlichen Corona- Hotspots entwickelten. Denn hier herrschten wohl Covid19-Virus- Idealbedingungen bei begünstigenden 6-10 Grad runtergekühlter, ungefilterter Luft.

 

 Lernen wir was daraus ?

Nun werden wir also unmittelbar mit den beschämenden Bedingungen und Folgen der beliebten Billigfleisch- Angebote in unseren Discountern und gleichsam auch unserem unreflektiertem Konsumenten-Verhalten konfrontiert. Das Unternehmen Tönnies steht dabei stellvertretend für alle fleischverarbeitenden Betriebe, deren i.d.R. osteuropäische Arbeiter oftmals in menschenunwürdigen Verhältnissen mehr hausen als wohnen und dies bei grottenschlechter Bezahlung. Also moderne Sklaverei als Preis für unsere Fleisch- und Konsumgier ?!

 

Konsequenzen ?

Nun kündigt laut Handelsblatt als erster große Discounter die Handelskette Lidl die Zusammenarbeit mit Tönnies wegen des Fleischskandals auf. Bleibt die wackelige Hoffnung, dass im Lieferantennetzwerk von Lidl andere Belieferer es  deutlich „besser machen.“ Auch Rewe und Edeka sowie Aldi , Penny und Netto schliessen Ware aus Rheda-Wiedenbrück aus bzw. aus der Nähe Gütersloh, lassen sich aber weiter von Tönnies beliefern.Natürlich verfügt Tönnies über andere Produktionsstätten und es ist fraglich, ob dort die Bedingungen soviel anders sind.

 

Mal kurz nachdenken über das Wie, bis ein Produkt auf unserem Esstisch landet.

Der Virus kann sich bekanntermaßen in Massenquartieren und Unterkünften und wie man schon länger weiß, auch in Flüchtlingslagern, glänzend ausbreiten. Beschämende, ausbeuterische Arbeitsbedingungen, nicht nur bei hiesigen Helfern in Schlachthöfen,auf Spargelfeldern und Gewächshaus- Tomaten-Papika-und Salat-Fabriken, die Rosen aus Kenia usw sind anzuschauen, und zwar europa- und weltweit, sondern auch die Unterkünfte und Lebensqualität der Menschen.

Und schliesslich sind auch die oft qualvollen Haltebedingungen der Tiere, die auf unserem Tisch landen, schon vor Corona sattsam bekannt gewesen. Aber, lernen wir eigentlich etwas daraus? Nicht nur Fleisch, Milch und Eier sondern praktisch alle Agrarerzeugnisse, müssten wesentlich teurer angeboten werden, um dies gerechterweise lohnmässig an die Arbeiter und Bauern, also Erzeuger und Erntehelfer wenigstens ansatzweise weiterzugeben.

 

Ischgl kann überall passieren !

Fakt aber bleibt, dass nun auch  private Treffen und Feiern mit größerer Teilnehmeranzahl und Familienfeste wieder möglich sind. Fakt aber ist auch, dass der Virus immer wieder da aufflammt, wo viele Menschen eng zusammen kommen und im Prinzip und schlimmerweise nur ein Mensch mit einer hohen Viruslast oftmals reicht, um Orte zum Hotspot  werden zu lasse, wie in Ischgl erlebt.

Auch in Gotteshäusern, wo gesungen wird und die Aerosole sich so wunderbar verteilen konnten, aber auch in Hochhäusern und Großraumsiedlungen, überhaupt bei privaten Feten, traten schnell Neuinfektionen auf, also überall dort, wo Social Distancing nicht eingehalten wurde. Bayern setzt daher parallel zu seinen Lockerungen, als bisher einziges Bundesland, auf flächendeckende Testungen für alle Bürger, auch ohne Symptome.

Immerhin wird aktuell von einigen Urlaubsländern ein negativer Covis19- Test bei Einreise erwartet, um die 14tägige Quarantäne vor Ort zu vermeiden und überhaupt den Urlaub antreten zu dürfen. Selbst zwischen einzelnen Bundesländern kam es hier zu unmissverständlichen Maßnahmen.

Menschen aus Corona-Hotspot-Gegenden wurden entweder bei Kontrollen nach Hause geschickt oder mussten ein negatives Testergebnis vorweisen, um zum Beispiel aus dem Kreis Gütersloh an Schleswig Holsteins Küsten Urlaub machen zu können.Und Sorglosigkeit hat hier tatsächlich keinen Raum.

Denn wir müssen unsere Welt und uns schützen und sei es mit dem Tragen einer Maske als äusseres Zeichen der Solidarität. Wachsamkeit und ein ständiges „auf Sicht fahren“ ist besser als sorgloses Nicht-Ernstnehmen und Ignorieren. Auch wenn Politiker wie der amerikanische Präsident Trump dies idiotischerweise vormachen.

 

Fliegen oder nicht Fliegen, das ist die Frage !

Andererseits sind nun auch wieder innereuropäische Flüge möglich. Die Lufthansa wirbt mit einer durch Hepafilter gereinigten Innenraumluft, die ähnlich “sauber” sein soll wie in einem OP, was aber real auf eng besetzte Sitzreihen- natürlich aus nachvollziehbaren rein wirtschaftlichen Gründen- trifft, von Abstand also keine Spur ! Im Wissen wie weit Aerosole und damit Virusmaterial sich auch im Flugzeug verbreiten können, sollte sich jeder gut überlegen, ob ihn die banale Maske, es sei denn, es wäre eine FFP3 plus Faceschutzschild, ausreichend schützt oder eher doch der Verzicht, bis ein Impfstoff gefunden wurde und zum Einsatz kommt.

 

tablettenfläschchen

Hoffnung durch das Medikament Remdezivir.

Es mag sein, dass der Risikofaktor Schlachthof klimatechnisch in den Griff zu bekommen ist, von sozialethischen Verbesserungsbetrachtungen mal ganz abgesehen. Und im  Ernstfall steht nun zwar noch kein Impfstoff, zumindest aber ein Hoffnung stiftendes Medikament zur Verfügung : das Remdezivir, das zunächst gegen Ebola entwickelt wurde.

Selbst zu zahlende Antikörpertests sollen Bürgern ebenfalls Gewissheit darüber geben, den Virus bereits gehabt zu haben, vielleicht immun zu sein, sollen aber auch nicht immer eindeutig in der Aussage sein. Sorglosigkeit hat hier tatsächlich noch wenig Raum, aber berechtigte Hoffnung dem Covid19-Virus Grenzen zu setzen.

 

Kontrolle durch die Corona- Warn-App.

Auch die freiwillige Warn-App, als  ein Angebot der BRD an die Bürger im Kampf gegen die Pandemie, soll zur Beruhigung beitragen und damit Hoffnung verbreiten. Denn diese Warn-App hilft festzustellen, ob man in Kontakt mit einem infizierten Menschen geraten ist, vorausgesetzt, dieser hat die App ebenfalls und ist so erreichbar. Das Ansteckungsrisiko und die Infektionsketten sollen so rechtzeitig unterbrochen werden. Der Erfolg ist bisher überschaubar, da die Zahl der Neuinfizierten- bis auf die Hotspots – nicht signifikant angestiegen ist. Und das trotz Lockerungen ! Und das schafft doch wirklich Zuversicht und Hoffnung.

Und es gibt ziemlich viele Hoffnungen für die Zeit nach Corona. Zum Beispiel im Job vielleicht weniger Präsenzverpflichtung und Kontrollmails, dafür gute Ideen. Vielleicht mehr Rücksichtsnahme auf die Interessen von Kindern in der Gesellschaft. Und mehr E-Autos auf den Straßen oder auch mehr Strassen für Fußgänger als auch Radfahrer, die immerhin weniger Natur bei ihren Fortbewegungen zerstören als Autos. Und Pflegerkräfte, Erzieherinnen, Altenbetreuer, die in Zukunft höher und besser bezahlt werden wie Menschen, die Maschinen bedienen, einfach weil sie Menschen begleiten und betreuen.

Vielleicht lehrt uns der Umgang und das Leben mit Covid19.Virus,dass in dieser Krise eine Chance steckt und ermöglicht uns somit einen Blick über den Deckelrand der eigenen Befindlichkeit hinaus mit einem dafür notwendigen Perspektive-und Haltungswechsel zum wirklich solidarischen MITMENSCHEN.Vielleicht!

Sind wir also zuversichtlich !

 

 

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