Kaufsucht und Kauf auf Pump!

Kaufsucht und Kauf auf Pump!

 

Rund um die Uhr kann heute im Internet pausenlos eingekauft und konsumiert werden. „Buy now, pay later „, ist dabei verführerisch und kann zu einer Suchtfalle für Menschen mit entsprechender Disposition werden, also einer Neigung zur Kaufsucht (Oniomanie). Denn diese Bezahlmodelle mit aufschiebender Wirkung verstärken die Dynamik ungemein.

Laut einer Umfrage der Finanzaufsicht BAFIN verliert jeder Siebte über seine Finanzen den Überblick. 29% fehlte das Geld für die fälligen Zahlungen.12% haben Buy -now-pay-later-Schulden von mehr als 500 EURO. 10 % haben bereits ihre Familie angepumpt, vier Prozent gar einen Kredit aufgenommen. Eine ungeheure Schulden- Falle !

Shoppen im Internet kann vor allem zur Suchtfalle werden.

Das Beitragsbild zeigt noch die analoge Situation im Handel, beladen mit Tüten und Tütchen. Am häufigsten wird exessives Online-Shopping bei Kleidung, Kosmetik, Haushaltsartikel oder auch Elektronik beobachtet. Suchen, Bestellen, Kaufen passiert heute eher anonym im Internet, sei es in der Mittagspause am Arbeitsplatz oder mitten in der Nacht. Das aber hat kann auch üble Konsequenzen haben. Die Fähigkeit, das Wort „Nein“ auszusprechen, wäre der erste Schritt zur Freiheit. Genau das aber schaffen Betroffene oft nicht mehr, trotz ihres hohen Leidensdrucks. 

Das Internet macht es für Kaufsüchtige aber auch so herrlich bequem und anonym. Für den meist oft einsamen süchtigen Surfer oder für die Surferin ist Online-Shoppen der einzige Lebenszweck. Aber auch hier häufen sich dann irgendwann die Rechnungen. Eine Privat-Insolvenz und Überschuldung ist inzwischen in diesem Zusammenhang nicht selten.

Schnelle Glücksgefühle versanden daher leider ebenso rasch wieder  in der Frustration und in Schuldgefühlen, weil es vielfach gar nicht mehr um die Sache oder den Gegenstand selbst geht, sondern nur um die flüchtige Wirkung. Die ständige Verfügbarkeit i.V. mit den verführerischen Bezahlmodellen ist für Menschen mit hoher Stressanfälligkeit, geringem Selbstwertgefühl,psychischen Erkrankungen wie Depressionen und sozialen Ängsten oft einfach überwältigend.

Viele verheimlichen daher möglichst lange ihren Stress mit dem Dauer- Konsum, bagatellisieren ihn und lügen sich etwas in die Tasche. Jeder 5. betroffene  Mensch stapelt erstmal  im Kleiderschrank ,oft unausgepackt und noch original ausgepreist, dann aber auch Alles in Zimmern und sehr oft in Kellern. Gerne wird Vieles dann auch verschenkt oder einfach weggeworfen. Das macht die emotionalen Begleit- Probleme allerdings auch nicht gerade besser.

Wie bei jeder anderen Sucht auch wird süchtiges Online-Shopping schliesslich zum Lebenszweck. Meist kommen die Menschen in eine Therapie, wenn sich das Verhalten bereits verselbständigt und chronifiziert hat. Leider wird die Kaufsucht bislang nicht als eigenständige psychische Störung anerkannt.

Jüngere Menschen sollen besonders gefährdet sein. Prävention sollte daher ein wichtiges Thema werden. Der Weg in eine Therapie ist aber oft schwierig und schambehaftet. Doch Kaufen gehört schliesslich weiterhin zum Alltag, entscheidend ist, dass es nicht zur Sucht wird.

 
 
 

Kaufsucht

 

Viel, viel und dann noch eine und immer noch nicht genug Handtaschen. Das lässt den Schluss zu, hier handelt es sich wahrscheinlich um eine Kaufsucht. Die Fähigkeit „Nein“ zu sagen oder: „Es ist genug, das brauche ich jetzt nicht“, oder: „Es reicht, ich habe genug zu Hause“, ist bei kaufsüchtigen Menschen wenig entwickelt. 

Wer ist kaufsüchtiger : Frauen oder Männer?

Männer leiden seltener unter Kaufsucht als Frauen. Doch dank Internet und vierundzwanzig Stunden Kaufservice, bei dem das für Männer häufig auch als lästig empfundene reale Shoppen entfällt, habe ich in meinem Praxisalltag inzwischen etliche kaufsüchtige Männer kennengelernt.

Die Suche und Sucht nach dem kurzen Klick und Glück !

Nichts ist kürzer als der kleine Kick nach dem Kauf eines begehrten Teiles. Dieser Kick wird auch nicht größer mit der schnell nicht mehr überschaubaren Menge von gekauften und gehorteten Sachen. Im Prinzip endet die Suche und Sucht nach dem Glück der Zufriedenheit für einen Kaufsüchtigen unmittelbar nach dem Klicken in den Warenkorb oder  analog schon vor dem Geschäftsausgang auf dem Nachhauseweg

Kann sich ein Mensch zudem nicht entscheiden, was für ihn wichtig und was unwichtig ist, wie es beim Messi-Sammlerverhalten suchtmässig der Fall ist, können sich Kaufsucht und Messie-Verhalten leidvoll ergänzen.

Suchtberatung für kaufsüchtige Menschen: Nein sagen lernen !

In meiner Suchtberatung für kaufsüchtige Menschen geht es darum, Betroffenen in einem Lernprogramm klar zu machen, dass es darum geht: NEIN sagen zu lernen, radikal und zur Not immer wieder aufs Neue. Um die Kaufsucht im Kern bewältigen zu können, muss die häufig zugrunde liegende depressive Grundhaltung therapiert werden.

Kaufsüchtige Menschen müssen sich bewusst Reizen aussetzen und anders  damit umzugehen lernen.

Bei der reinen Internet-Kaufsucht ist es allerdings eher günstig in eine totale Online-Abstinenz zu gehen, dies einzuüben und vielleicht so langsam und stetig zu lernen, dass es auch ein Leben ausserhalb virtueller Möglichkeiten gibt.

Kaufsucht will ewig suchen, findet aber nie.

Nicolas Chamfort

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